Dr. Peter von Wartenberg
Leading Myself

· 4 Min. Lesezeit

Du redest wie eine "Verwässerte Limo"

Verwässerte Limo

Nimm Dein Lieblingsgetränk (z. B. Cola). Füll ein Glas ein Viertel damit, die restlichen drei Viertel mit Wasser. Probier es.

Genau so, sagt Bill Hoogterp (externer Link, öffnet in neuem Tab) in Your Perfect Presentation, klingen die meisten von uns, wenn wir reden. Nicht falsch. Nur verwässert. Jedes "äh", "irgendwie", "quasi", "sozusagen", "eigentlich" ist ein Schluck Wasser in der Cola. Einzeln kaum zu schmecken. In Summe: fad.

Eine Fähigkeit, die niemandem in die Wiege gelegt wird

Ich glaube fest daran: Eine gute Führungskraft muss hervorragend sprechen und kommunizieren können. Nicht, weil es nett aussieht auf der Bühne, sondern weil Führung ohne Wirkung verpufft. Das Blöde daran: Diese Fähigkeit ist so gut wie niemandem angeboren. Auch mir nicht. Man muss sie sich als Profi-Führungskraft antrainieren – genau wie jede andere Fähigkeit, für die man Verantwortung übernimmt.

Genau da hat mich mein dreitägiges Own-the-Room-Training mit meinem gesamten Führungsteam in Charleston gepackt. Im Anschluss hat mich Andreas Kleinschmidt (externer Link, öffnet in neuem Tab), der ebenfalls für Own the Room als Freelancer gearbeitet hat, in ein paar Einzel-Sessions gezielt für meine eigenen Präsentationen gecoacht.

Erst denken, dann reden

Eine Übung aus dem Training ist mir bis heute geblieben: Think, Edit, Speak. Die Regel ist simpel und unangenehm zugleich. Auf eine Frage antwortest Du nicht sofort. Du hältst die Stille aus – 20, 30, manchmal 40 Sekunden – und formst in dieser Zeit im Kopf einen einzigen, in sich geschlossenen Satz. Erst wenn der Satz fertig ist, sprichst Du ihn aus. Und dann darfst Du keine Silbe mehr ändern.

Das Ergebnis: keine halbfertigen Sätze mehr, die man mittendrin nochmal neu anfängt. Keine Endlosschleifen aus "und, äh, also, was ich eigentlich sagen wollte". Sondern Klarheit, weil das Denken schon erledigt war, bevor der erste Ton kam.

Verwässerte Limo

Was sich im Team verändert hat

Was aus diesen drei Tagen blieb, war weniger rhetorischer Feinschliff als eine grundsätzlich andere Art, miteinander zu sprechen. Wir sind wertschätzender miteinander umgegangen. Meetings kamen schneller auf den Punkt. Präsentationen wurden kürzer und gleichzeitig klarer. Man hat gemerkt, wenn jemand für das Publikum sprach – und nicht nur für sich selbst.

Wirkung ist kein Plus, sondern ein Mal

Wer die 13 Minuten investieren will: Bert Helbig (externer Link, öffnet in neuem Tab) bringt genau dieses Prinzip in seinem Stuttgarter TED-Talk auf den Punkt – anschaulich, kurzweilig und mit einem Beispiel, das hängen bleibt.

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Hör! Mir! Zu! Warum wir gute Kommunikation lieben: Bert Helbig at TEDxStuttgart

Wirkung ist nicht Inhalt plus Haltung gegenüber dem Publikum. Sie ist Inhalt mal Haltung. Ist die Haltung null, verpufft selbst die beste Botschaft. Ist sie auch nur ein bisschen besser, hebelt sie alles, was Du sagst.

Warum das alle drei Ebenen betrifft

Für mich gehört das fest zu Leading Myself: Bevor ich ein Team oder ein Unternehmen führen kann, muss ich lernen, mich selbst klar und wirkungsvoll auszudrücken. Und das Gute daran – anders als Talent lässt sich das trainieren. Genau dafür ist Your Perfect Presentation für mich bis heute eine der besten Anleitungen. Das Buch gibt es m. E. nur auf Englisch. Meine Empfehlung: erst lesen und die gestellten Übungen wirklich machen – das Hörbuch eignet sich danach gut, um sich die Techniken später mal wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Hier der Amazon Link zum Buch Your Perfect Presentation: LINK (externer Link, öffnet in neuem Tab)

Aber es bleibt nicht bei mir allein. Charleston hat mir gezeigt, dass sich derselbe Effekt auf Leading My Team überträgt, wenn ein ganzes Team gemeinsam trainiert, statt nur der Chef allein. Und ich sehe darin sogar noch mehr: Klare, ehrliche, wertschätzende Kommunikation ist genau das Fundament, auf dem Leading My Business (externer Link, öffnet in neuem Tab) von unten wächst. Rollen und Verantwortung lassen sich noch so sauber klären – tragfähig werden sie erst, wenn ein Team auch fähig ist, miteinander zu sprechen: Feedback zu geben, Konflikte anzusprechen, Eskalationen klar statt umständlich zu formulieren. Kommunikationsfähigkeit ist damit keine nette Zusatzqualifikation, sondern eine der wichtigsten Bottom-up-Guidelines überhaupt.

Own the Room gibt es unter diesem Namen nicht mehr; die Nachfolgeorganisation LifeHikes (externer Link, öffnet in neuem Tab) bietet vermutlich ähnliche Trainings an wie damals. Selbst gemacht habe ich dort noch nichts – aber es steht auf meiner Liste.

Wann hast Du das letzte Mal Deine Sätze probiert – pur oder verwässert?
Ich freue mich über den Austausch bei LinkedIn (externer Link, öffnet in neuem Tab).

Dr. Peter von Wartenberg (02.21)

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