Dr. Peter von Wartenberg
Leading My Business

· 5 Min. Lesezeit

Warum das Immunsystem deines Unternehmens dich bekämpfen wird!

PvW

Es gibt Bücher, die kaufst du dir, blätterst kurz rein, legst sie zur Seite.

Und es gibt Bücher, die verändern, wie du auf deine eigene Organisation schaust. "Exponential Organizations" von Salim Ismail (externer Link, öffnet in neuem Tab) gehört für mich in die zweite Kategorie.

Die zentrale These: Neue, exponentiell wachsende Organisationen sind zehnmal besser, schneller und günstiger als etablierte Unternehmen – nicht weil sie klüger sind, sondern weil sie anders gebaut sind. Sie nutzen Technologien und Organisationsprinzipien, die linear wachsende Strukturen strukturell nicht mithalten lassen.

Der Satz, der hängen bleibt

Ismail bringt einen Gedanken auf den Punkt, der mich seitdem begleitet: Wer in einer großen, etablierten Organisation echte disruptive Innovation vorantreibt, muss damit rechnen, dass das Immunsystem des Unternehmens reagiertund zwar mit Abwehr, nicht mit Applaus.

Das ist keine Kritik an großen Unternehmen. Es ist eine nüchterne Beobachtung darüber, wie Organisationen funktionieren. Prozesse, Kontrollmechanismen, Freigaberunden – all das existiert aus guten Gründen. Aber genau diese Gründe machen echte Disruption von innen heraus so schwer.

Warum mich das als Führungskraft beschäftigt

Für mich ist die Kernfrage nicht "Wie schütze ich mein Unternehmen vor Disruption?", sondern: Wie schaffe ich als Führungskraft Räume, in denen neue Ideen nicht sofort vom Immunsystem attackiert werden? Das ist eine Frage der Kultur, nicht der Strategie-Folie.

Drei Gedanken aus dem Buch, die ich für meinen eigenen Führungsalltag mitnehme:

Klare Ziele statt starrer Pläne. Exponentielle Organisationen arbeiten mit einem "Massive Transformative Purpose" – einem großen, ambitionierten Ziel, das Orientierung gibt, ohne den Weg dorthin im Detail vorzuschreiben. Das erlaubt Teams, schnell zu experimentieren, statt auf den nächsten Freigabeprozess zu warten.

Externe Ressourcen nutzen statt alles selbst besitzen zu wollen. Community, Plattformen, externe Talente – exponentielle Organisationen bauen weniger auf Eigentum und mehr auf Zugang. Für etablierte Unternehmen eine echte Denkübung: Was müssen wir wirklich selbst kontrollieren, und wo reicht kluger Zugriff?

Algorithmen und Daten als Führungsinstrument. Nicht als Selbstzweck, sondern weil datenbasierte Entscheidungen schneller und oft treffsicherer sind als reine Erfahrungsurteile – gerade in einem Umfeld, das sich schneller verändert, als Erfahrung allein mithalten kann.

Die zehn Attribute im Überblick

Ismail bündelt seine Beobachtungen in zehn konkreten Merkmalen, die er um die Massive Transformative Purpose (MTP) herum gruppiert – fünf "externe" Attribute (SCALE), mit denen Organisationen Ressourcen von außen anzapfen, und fünf "interne" Attribute (IDEAS), mit denen sie sich selbst befähigen, schnell zu lernen und zu handeln.

EXO Framework - Salim Ismail
EXO Framework

Was mir dabei auffällt: Die externen Attribute (SCALE) bekommen in der Diskussion oft die meiste Aufmerksamkeit – Plattformen, Communities, Daten. Die internen Attribute (IDEAS) sind aus meiner Sicht aber die eigentliche Führungsaufgabe. Autonomie und Experimentierfreude entstehen nicht durch ein Tool, sondern durch die Kultur, die eine Führungskraft täglich vorlebt.

Deutsche Ausgabe und Neuauflage

Wer lieber auf Deutsch liest: Das Buch ist unter dem Titel "Exponentielle Organisationen: Das Konstruktionsprinzip für die Transformation von Unternehmen im Informationszeitalter" erschienen, übersetzt von Mike Kauschke.

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Ein Hinweis dazu: Im englischsprachigen Original gibt es mittlerweile bereits die zweite Auflage – "Exponential Organizations 2.0 – The New Playbook for 10x Growth and Impact", die Ismail gemeinsam mit Peter Diamandis (externer Link, öffnet in neuem Tab) und Michael Malone geschrieben hat, mit einem Vorwort von Ray Kurzweil. Sie baut auf acht Jahren zusätzlicher ExO-Praxis auf und erweitert das Framework um aktuelle Fallstudien, unter anderem zum Einsatz von KI. Eine deutsche Übersetzung von 2.0 ist mir aktuell nicht bekannt.

Meine Leseempfehlung

Wenn du in einer Führungsrolle bist und regelmäßig das Gefühl hast, dass gute Ideen im eigenen Haus langsamer vorankommen als sie sollten – dann lohnt sich dieses Buch, egal ob Original oder Neuauflage. Nicht als Blaupause zum Kopieren, sondern als Denkanstoß, wo dein eigenes Immunsystem vielleicht zu aktiv ist. Um einen ersten guten Eindruck zu bekommen, kann ich zwei Ted Talks von Salim Ismail zu "How do we fix civilization?" empfehlen.

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How do we fix civilization? | Salim Ismail | TEDxToronto

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How do we fix civilization? | Salim Ismail | TEDxToronto

Als Ergänzung empfehle ich außerdem "The Future Is Faster Than You Think" von Peter Diamandis und Steven Kotler – es knüpft thematisch nahtlos an und zeigt, wie konvergierende Technologien Branchen und unser Leben verändern.

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Peter Diamandis | The Future Is Faster Than You Think | Global Summit 2018 | Singularity University

Persönliche Anmerkung

Vor Corona habe ich Keynotes über Digitalisierung gehalten – und darüber, wie sie unser Leben verändern wird. Direkt nach Corona, angeregt durch Salim Ismail, wurden daraus Keynotes über exponentielle Technologien und darüber, wie wir als exponentielle Organisationen darauf reagieren sollten. Damals dachte ich, das sei noch eine Zukunft von rund zehn Jahren.

Heute, gerade einmal fünf Jahre später, wird mir klar: Wir leben mit KI-Tools wie ChatGPT oder Claude längst in dieser Welt. Und sie wird uns alle massiv transformieren, ob wir wollen oder nicht.

Diese Welle – manche würden sagen: dieser Tsunami – wird uns entweder wegspülen. Oder wir schnappen uns ein Surfboard und lernen, sie zu reiten.

Danke an meinen LinkedIn-Kontakt Simon Nopp, (externer Link, öffnet in neuem Tab) erfahrener Berater im Bereich Exponential Organizations, der mir viele dieser Impulse erst zugänglich gemacht hat.

Hast Du Hinweise / Kommentare? Sehr gerne. Bitte gehe hierzu zu dem LinkendIn Post (externer Link, öffnet in neuem Tab). Oder schreibe mir über die Kontaktseite (externer Link, öffnet in neuem Tab)

Freue mich über einen Austausch zu den Themen.

Dr. Peter von Wartenberg (06.22)
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